Gesellschaftsfähiges Bauen: Die acht Säulen der Architektur
Firmitas, Utilitas, Venustas. Dieser vitruvianische Dreiklang prägte das architektonische Denken über Jahrhunderte. Diese drei Prinzipien – Festigkeit, Zweckmäßigkeit, Schönheit – waren lange Zeit ausreichend, um das Wesen von Architektur zu beschreiben.
Da wir bei GAST Architektur als eine komplexe, räumliche Auseinandersetzung mit der heutigen Gesellschaft verstehen, müssen wir anerkennen, dass diese moderne Gesellschaft deutlich vielfältigere Anforderungen an das Leben stellt als zu vitruvianischen Zeiten. Architektur beeinflusst das Klima, prägt Nachbarschaften, schafft Identität und wirkt politisch. Jede gebaute Form ist Ausdruck ihrer Gesellschaft. Darum braucht es weitere Prinzipien, die die Anforderungen an eine zeitgemäße, verantwortungsvolle Architektur beschreiben.
Wir bezeichnen diese Prinzipien als „Säulen der Architektur“. Nur wenn sowohl jede Säule ihre eigene Aufgabe erfüllt, als auch alle Säulen aufeinander abgestimmt sind, entsteht Tragfähigkeit. Ist eine oder mehrere Säulen unzureichend ausgearbeitet oder fehlt sie ganz, verliert das Konzept seine Stabilität. Erst wenn diese acht Konzepte für sich und integral miteinander harmonieren, entsteht Architektur, die nicht nur gebaut, sondern auch gedacht ist.
Konstruktion & Technik (Firmitas)
Die Grundlage des Bauens. Material, Struktur und Technik bilden den Körper der Architektur. Um zu gestalten, muss man verstehen, wie etwas gebaut ist.
Funktion & Nutzung (Utilitas)
Räume müssen nutzbar sein. Heute mehr denn je auch anpassbar sein, wandelbar und offen für neue Formen des Lebens und Arbeitens.
Gestaltung & Bedeutung (Venustas)
Architektur kommuniziert. Ihre Form, ihre Proportionen, ihre Materialität, ihre Farben und Dekorationen sprechen zu uns über Kultur, Zeitgeist und Werte.
Nachhaltigkeit & Klimaresilienz (neu)
Das Bauen der Zukunft ist ökologisch bewusst, kreislauffähig und resilient. Nicht nur das Klima verändert die Architektur, Architektur muss auch das Klima verändern können.
Wirtschaftlichkeit (neu)
Gute Architektur entsteht zwischen Idee und Realisierbarkeit. Wirtschaftlichkeit bedeutet Ressourcen, Zeit und Mittel sinnvoll einzusetzen.
Kontext (neu)
Jedes Bauwerk ist Gast an seinem Ort. Es fügt sich ein in Topografie, Geschichte, Atmosphäre und städtebauliche Anordnung. Architektur ist immer eine Antwort auf das, was schon da ist.
Konzept (neu)
Hier wird Haltung und Idee von Architektur sichtbar: Wie wollen wir zusammenleben? Welche Zukunft bauen wir?
Politik (neu)
Architektur ist politisch, da sie Gesellschaftsstrukturen widerspiegelt, gestaltet und beeinflusst. Die Frage „Wer plant für wen?“ ist zentral und zeigt, dass Bauen immer auch ein politischer Akt ist.